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Hier schon mal eine historische Abhandlung über
Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft
In einer alten Niederschrift ist nachzulesen, dass man schon sehr weit in der Niehler Ortsgeschichte zurückblättern muss, um das Gründungsjahr der St. Sebastianus Bruderschaft festzustellen. Christliche Bruderschaften wurden gegründet, um einander in Zeiten der Not beizustehen.
Die Niehler Bruderschaft wählte als Fürbitter den heiligen Sebastian, der gleichzeitig auch Pfarrpatron ist. Nach einer schriftlichen Überlieferung soll die St. Sebastianus Bruderschaft bereits 1262 bestanden haben. Ebenso wird berichtet, dass die noch erhaltene St. Sebastianus-Figur 1483 oder 1485 der Pfarre in Niehl geschenkt wurde.
Die Bruderschaftsmitglieder hatten unter anderem die Pflicht, bei den kirchlichen Pfarrprozessionen mitzuwirken und, wie es wörtlich heißt: »Auch sollen sie bei allen kirchlichen Feierlichkeiten dem Pfarrer zur Handhabung der Ordnung hülfreich Hand leisten.« Der Pfarrer war immer geistlicher Präses der Bruderschaft. Später wurde auch übungsweise mit der Armbrust geschossen. Jugendliche hatten freien Zugang zur Bruderschaft, durften aber nicht vor der Vollendung ihres 21. Lebensjahres mit der Armbrust schießen. Verschiedene Ereignisse brachten die St. Sebastianus Bruderschaft fast gänzlich zum Erliegen und wahrscheinlich auch zur Spaltung.
Nachdem die Nachwirkungen der Revolution von 1848 einigermaßen überstanden schienen, formierte der damalige Pastor Wolff 1849 die Bruderschaft neu. In einer Schrift aus dem Jahr 1878 ist das Statut der Bruderschaft des heiligen Sebastian nachzulesen, mit folgendem Schlusssatz: »Wir genehmigen hierdurch, dass die in Rede stehende Bruderschaft in der Pfarrkirche zu Niehl wieder eingeführt und stets nach Anleitung der Statuten gehandhabt, aufrecht erhalten und belebt werde. Köln, den 26. August 1849 Der Erzbischhof von Köln A. A.: Der Erzbischhöfliche General-Vicar (gez.) Baudri.«
Unter den namentlich genannten 285 Bruderschaftsmitgliedern befanden sich sowohl Männer als auch Frauen, die zum Teil weit außerhalb der Niehler Ortsgrenzen zu Hause waren. Ebenfalls 1849 etablierte sich der St. Sebastianus Schützenverein, der sich hauptsächlich mit dem Schießen befasste und das Schützenfest veranstaltete.
Auch ergab sich eine Satzung, die offenbar erst 1902 im Vereinsregister eingetragen wurde. Sie beginnt mit den Worten: »Der Verein, welcher im Jahre 1849 gegründet wurde und im Jahre 1853 seine Satzungen erneuerte, soll nach Einführung dieser Satzungen denselben Zweck verfolgen wie bei seiner Gründung und Erneuerung.
Unter § 22 ist aufgeführt:
Vorstehende Satzungen treten mit dem Tage der höheren Genehmigung in Kraft. Errichtet zu Cöln-Niehl am 29. Mai 1902
Die Eintragung ist heute am 11. August 1902 unter Nr. 41 in das Vereinsregister erfolgt. Zur Beglaubigung (gez.) Eid als Gerichtsschreiber.«
Es war durchaus möglich, in der Bruderschaft wie auch im Verein Mitglied zu sein. Als 1928 ein allgemeiner Schützenverband gegründet wurde, gehörte ihm auch der St. Sebastianus Schützenverein an. 1935 wurde der Verband umbenannt in Zentralverband der historischen deutschen Schützenbruderschaften. Der St. Sebastianus Schützenverein änderte seinen Namen in St. Sebastianus Schützengesellschaft, blieb aber Mitglied im Verband.
Über den Zentralverband wurden schießsportliche Vergleichswettkämpfe mit anderen, dem Verband angeschlossenen Schützenvereinigungen, ausgerichtet. Die Anzahl der Nachwuchs-schützen wurde größer. Das führte dazu, dass nach Vorbereitungen 1934 im Jahre 1935 eine Jungschützenabteilung gegründet wurde.
Außer dem Schützenkönig, der seit 1849 ermittelt wird, konnte nun auch ein Tellprinz ausgeschossen werden. Heute ist es der Prinz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der historische Verband 1946 wieder aufleben. Eine Mitgliedschaft war jedoch nur für Bruderschaften möglich, so dass aus der St. Sebastianus Schützengesellschaft die St. Sebastianus Schützenbruderschaft wurde.
Bis zum l00jährigen Schützenfest-Jubiläum 1949 ermittelten die Schützen ihren König mit der Armbrust. 1950 wurde der Rheinische Schützenbund zugelassen und damit den Schützen die Genehmigung erteilt, mit dem Gewehr zu schießen.
Die Satzungen der heutigen St. Sebastianus Schützenbruderschaft sind angelehnt an die Satzungen der St. Sebastianus Bruderschaft und an die des St. Sebastianus Schützenvereins. Zeugnisse der wechselvollen Geschichte sind die Königskette mit den Namensschildern der Würdenträger seit 1849, die der amtierende Schützenkönig bei besonderen Anlässen trägt, dann die Prinzenkette mit den Namensschildern der Würdenträger seit 1950 und die Fahnen mit den historischen Namen der St. Sebastianus Bruderschaft, des Schützenvereins und der Schützengeseilschaft und der heutigen St. Sebastianus Schützenbruderschaft.
Eine Aufzählung der schießsportlichen Erfolge der Niehler Schützen würde Seiten füllen. Einige sollen jedoch nicht unerwähnt bleiben; bei den deutschen Meisterschaften der Jugendklasse 1957 ein zweiter Platz und 1958 ein dritter Platz mit der Mannschaft, 1981 ein Landesrekord anlässlich der Rheinlandmeisterschaft.
Hans-Dieter Krill
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